Ich spüre die Macht in mir. Könnte aber auch Hunger sein 

Einleitung

 „Sie werden im Altersheim untergebracht!“ 

In Ihren Stadium, ist eh nur noch Verfall möglich!“ 

Was nach 2 Jahren nicht kommt, ist für immer verloren.

Dies sind Aussagen meiner Ärzte gewesen…


Meine linke Seite war taub, ich konnte nicht sprechen. Ich war bettlägerig und konnte nicht mal sitzen. Hatte Sehstörungen (bis heute Doppelbilder), 2 Hörstürze, musste gefüttert werden, usw. 


„Es ist wichtig, so früh wie möglich anzufangen.“ Dies wurde mir von allen Seiten gesagt. Deswegen ist eine Anschlussrehabilitation so wichtig.


Doch mir wurde sie verwehrt, „weil es eh keinen Sinn macht.“


Also wurde ich entlassen.


Wenn ich heute zurückblicke, wirkt das auf mich so unecht, völlig abstrakt, wie ein schlechter Film.


Das es in so weiter Ferne ist, habe ich vor allem meinen Vater, meinen Mutter, meinen Bruder und meiner Ex-Frau zu verdanken.


Auch immensen Anteil haben meine Therapeuten und um die geht es hier.

Im Krankenbett (mit nach Hause bekommen), lernte ich Roland Scheidig kennen aka. „the big Boss“.

Ich war völlig überfordert mit der Situation und handelte nur.

Das Sitzen, war die erste Aufgabe. Nachdem der Rumpf genügend Stabilität hatte, ging es an die Treppe. Dort kann man am besten die Basic´s üben.

Mittlerweile war ich „gut“ genug für die Anschlussrehabilitation.


Nach der Reha, kam eine Krankengymnastin dazu. Eine junge, kleine, zierliche Frau. Das Gegenteil von „Big Boss“. 

Da ich über 1.000 Stürze hinter mir hatte, war Vertrauen das absolut wichtigste.

Das hat sie tausendfach bewiesen.

Ich habe mich oft gefragt, woher diese Kraft kommt und es gibt nur eine Erklärung.

Sie ist ein Cyborg in Menschenkostüm (oder sie wird grün, wenn man sie ärgert? /Achtung: probiert das nicht aus).


„Jemand anderes wird dich viel weiter bringen“.

Damals konnte ich es mir nicht vorstellen, heute ist es völlig klar für mich.

Es kam jemand Neues. Wir hatten von Anfang an, einen guten Draht.

Auch wenn ich ihn schon ewig kenne, faktisch ist er „der Neue.“

Es war ein Riesenerfolg, wie ich es geschafft habe mit den Rücken an der Wand zu laufen.

Heute kann ich nur noch schmunzeln darüber.


#üben, üben, üben

Die nächsten Jahre, machte ich sehr viel „Bodenübungen“, während gleichzeitig das Laufen immer weiter geübt wurde.

Wir machten jeden Tag Übungen, wenn ich nur daran denke, steht mir Schweiß auf der Stirn.


Heute arbeiten wir daran, die Verdrehungen, welche mein Körper schon ewig angenommen hat, rückgängig zu machen.

Meine Wahrnehmung nimmt das Falsche als richtig an, dadurch ist es schwer was zu ändern.

Ich laufe in der Wohnung vollkommen frei.

Natürlich noch nicht perfekt und oft komme ich aus den Gleichgewicht.

Aber ich weiß alles Schwierige hat seinen Ursprung im Leichten – und alles Große im Kleinen.


Laufen lernst du nicht, in dem du irgendwelchen Regeln folgst. Du lernst es, in dem du es tust und hinfällst. - Richard Branson

Wenn man Werbung macht, sollte man zu 100% dazu stehen und es nicht des Geldes wegen machen. Ich selbst will es so und mein Therapeut weiß noch gar nichts davon (vielleicht kann ich ein Snickers raushandeln).


Die ersten Jahre machten wir nur Atemübungen und brachten die Stimme mehrere Tonlagen tiefer.

Zu dieser Zeit sprach ich nur vereinzelte Wörter, ganze Sätze wären viel zu anstrengend gewesen.

Es hat Jahre gedauert bis ich überhaupt die Luft hatte, um einen ganzen Satz zu reden.

Veränderung von etwas unterbewussten sind schwer, aber möglich.

Egal was ihr für Probleme in der Sprache habt, findet euch nicht damit ab, ändert es und ihr werdet sehen, dass die Welt auf euch anders reagiert.


Als nächstes machten wir Zungenübungen.

Wusste gar nicht, dass man in der Zunge einen Muskelkater haben kann.

Diese Übungen waren so intensiv, dass ich bei jeder Gelegenheit übe.


Worte waren einstmals Zauber. -Prof. Dr. Sigmund Freud

Seit 2 Jahren telefonier ich erst. Heute wirkt es, als ob es schon immer so war.

Mittlerweile halte ich ganze Konferenzen ab.


„Nur wenn man mit der Situation nicht zufrieden ist, hat man den Antrieb etwas zu verändern.“

Fluch und Segen zugleich. Oft werde ich nostalgisch und sehe was ich schon erreicht habe, doch dann packt mich der Ehrgeiz.


Immer wenn ich beim HNO-Arzt bin, muss ich mich rechtfertigen, ob weitermachen überhaupt sinnvoll sei.

#frustrierend


Aktuell arbeiten wir an der Sprechmelodie. Es wird mehr Emotionen in die Stimme gelegt um gegen die Monotonie etwas zu unternehmen.

Die Schwankungen werden immer geringer, auch fällt mir das Sprechen immer leichter.

Fazit

...ich habe die besten Therapeuten, für mich. Natürlich, wenn man nichts machen möchte, nur sich selbst bemitleiden und die Schutzbehauptung „man hat ja Therapie“, dann schätze ich, werden sie sehr nervig sein.

Aber wenn man mitmacht, dann vollbringen sie Wunder.

Durch hervorragende Menschenkenntnis, gehe ich auch von hervorragenden Mitarbeitern aus.


#Zukunft 

In meiner Selbsthilfegruppe sind Menschen, die es sprachlich geschafft haben.

Das will ich auch erreichen; …


...und ich denke, dass ich im Laufe meines Lebens das erreiche.


Und laufen?

Während der Therapie laufe ich allein in der Wohnung. Ich habe im Stand, meine Tür aufgesperrt.

Natürlich hoffe ich auf mehr, allerdings bin ich gespannt, wie weit wir kommen.


Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken. -Galileo Galilei